CryptoParty 10. 6. 2015, Beginn 19.00 Uhr, Westwerk/Sublab

Das können wir selber – Alternative Soziale Netzwerke und Cloudsysteme

Vor gut zwei Jahren hat Bundeskanzlerin Merkel im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden das Internet als Neuland bezeichnet.
Mittlerweile scheint sie zumindest in Teilbereichen des Netzes angekommen zu sein, denn sie vergleicht z. B. Facebook mit Alltagsgegenständen: »Es ist schön, dass man es hat. Das ist so schön, wie man ein Auto hat oder eine ordentliche Waschmaschine.« Wirklich?

Lange Zeit galt Facebook als unangefochtener Spitzenreiter bei sogenannten »Sozialen Netzwerken«, Microblogs und Fotodiensten. Doch das Bild des unangefochtenen Herrscher des Olymp bröckelt. Ist Facebook letztlich gar nicht alternativlos?
Nutzer*Innen »sozialer« Netze – darauf weisen wir in unseren CryptoParties immer wieder hin – sind der besonderen Aufmerksamkeit, der ständigen Beobachtung und der Sammlung all ihrer Daten durch die jeweiligen Anbieter ausgesetzt. Total vernetzt im »Walled Garden« sind wir nie wieder allein.
Nutzerdaten sind zur Grundlage von Geschäftsmodellen geworden, die im Ergebnis über soziale Graphen und die Analyse von Beziehungsnetzwerken zu Profilbildungen über die Nutzer führen – viele Jahre umfassend. Diese Daten sind von hohem Interesse für Werbetreibende und Marketingverantwortliche, aber auch für Meinungsforscher, Demoskopen und, wie wir durch die Snowden-Enthüllungen wissen, insbesondere auch Nachrichtendienste.
Gleichzeitig betreiben Anbieter Sozialer Netzwerke, oft zum Unmut ihrer Nutzer*Innen, immer wieder soziale Experimente und ändern Optik und Verhalten integrierter Dienste.
Aus dem Wissen um die allgegenwärtige Datensammelei und aus einem damit verbunden diffusen Gefühl geben nicht Wenige in Befragungen an, sich innerhalb dieser Walled Gardens mehr Privatsphäre zu wünschen, ohne dass dabei aber Funktionalitäten oder Vernetzungsmöglichkeiten eingeschränkt werden sollen. Diese Spannungsfeld wird häufig als Privacy Paradox beschrieben.
Auch wenn einige Analysten das Ende der Bedeutung von Facebook in den kommenden Jahren erwarten, scheint ein Ausstieg aus den aktuellen Sozialen Netzwerken für die Nutzer häufig undenkbar, wenn Arbeitskollegen, Freunde und Familie ihre Freizeit darüber planen oder unsere Freundschaftsbande den gesamten Globus überspannen. Mittlerweile vertrauen wir nicht nur unseren Alltag sozialen Netzen an, wir laden gleichermaßen Gigabytes an digitalisieren Erinnerungen in zentrale Clouds.

Gibt es jenseits der großen Zentralen Alternativen? Was macht ein Soziales Netzwerk aus? Wie kann ich, ohne eine Cloud der großen Anbieter zu nutzen, von überall auf meine Dokumente oder Fotografien zugreifen und diese mit Freunden, Kolleg*Innen, Kommilitonen und meiner Familie teilen? Kann ich selbst ein Soziales Netzwerk betreiben? Erlange ich dadurch mehr Selbstbestimmung und Souveränität im Internet?

Mit diesen Fragen wollen wir uns auf der CryptoParty am 10. Juni, ab 19 Uhr im sublab/Westwerk befassen und dabei der vom aktuell amtierenden Innenminister diagnostizierten »digitalen Sorglosigkeit« eine kritische und emanzipatorische Technikbetrachtung entgegen stellen.
Wir stellen alternative, föderierte Netzwerke vor, zeigen die Möglichkeiten selbst betriebener Clouds auf, bringen die Verwendung von verschlüsselten Zero-Knowlege-Cloudspeichern näher und demonstrieren den Betrieb eines eigenen Blogs in Grundzügen, jenseits von Tumblr und Medium.
Zu einer lebendigen Debatte um das Für und Wider dieser Alternativen und zu deren Kennenlernen durch Ausprobieren laden wir herzlich ein.

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