CryptoParties 2018, 1. Halbjahr

Wir starten spät mit unseren CryptoParties 2018, in Frühling und Sommer von März bis August. Dafür haben wir wieder einen festen Ort: Der Haus- und WagenRat erlaubt uns an jedem 2. Mittwoch des Monats ab 19.00 Uhr seinen Laden in der Georg-Schwarz-Straße 19, 04177 Leipzig, zu nutzen. Dafür schon mal herzlichen Dank.
Wir hoffen auf großes Interesse und freuen uns auf zahlreiche Teilnehmende bei den Veranstaltungen. Wie bisher ist der Eintritt kostenfrei. Über eine Spende, die dabei hilft, unsere Ausgaben für Raum und Technik zu senken oder gar zu decken und unsere Arbeit stützt, freuen wir uns.
Für Fragen zwischendurch gibt’s unser Diskussionsforum, auch Anregungen und Anmerkungen sind dort gern willkommen. Einfach registrieren und loslegen, E-Mail-Adresse genügt ;-).

Hier die Termine im Haus- und WagenRat sowie alle Themen:

  • 14. März 2018 · ab 19.00 Uhr · Beobachte mich nicht – Sicher Surfen und Anonymisierung im Internet
  • 11. April 2018 · ab 19.00 Uhr · Der elektronische Briefumschlag – Asymmetrische
    Verschlüsselung, Passwörter und Passwort-Manager, E-Mail-Verschlüsselung mit PGP
  • 9. Mai 2018 · ab 19.00 Uhr · Wir unterhalten uns privat – Verschlüsselte Messenger- und Chat-Anwendungen auf Mobilgeräten und PCs
  • 13. Juni 2018 · ab 19.00 Uhr · Das können wir selber – Alternative Soziale Netzwerke, Cloud-Systeme und Backups
  • 11. Juli 2018 · ab 19.00 Uhr · Keiner soll es erraten – Symmetrische Verschlüsselung, Datei- und Festplattenverschlüsselung
  • 8. August 2018 · ab 19.00 Uhr · Datenverkehr unter Kontrolle – Security by isolation: privat mit Windows 10, virtuelle Maschinen und Systeme

Warum eigentlich?

2017 sind fortlaufend Gesetze beschlossen worden, die die Befugnisse von staatlichen Behörden zur elektronischen Überwachung erheblich ausweiten: Von der verstärkten Videoüberwachung öffentlicher und privater Plätze und Einrichtungen über die Möglichkeiten zur automatisierten Abfrage biometrischer Gesichtfoto-Datenbanken der Einwohnermeldebehörden bereits zur Aufklärung von Ordnungswidrigkeiten bis zur Neuauflage der höchst umstritten Ermittlungsinstrumente Onlinedurchsuchung und Quellen-Telekommunikationsüberwachung. Seit 1. 7. 2017 ist darüber hinaus die nicht minder kontrovers diskutierte neue Vorratsdatenspeicherung in Kraft, auch wenn das Oberverwaltungsgericht NRW die Neuregelung in einem Einzelfall ausgesetzt hat und als aktuellem Europarecht widersprechend einordnet.
Nach wie vor agieren große Player der Digitalwirtschaft intransparent und räumen sich umfangreiche Rechte an den bei ihnen abgelegten Nutzerdaten ein.
Die Umsetzung der europäischen Datenschutzgrundverordnung in nationales Recht hat in Deutschland unter Federführung des Innenministeriums leider im Wesentlichen zu einer Absenkung des bisher bestehender Schutzstandards geführt. Verstärkt wird in Reden von Regierungspolitikern Datenschutz als Investitions- und Innovationshemniss dargestellt, das es umzudeuten oder abzuschaffen gälte. Inzwischen hat es diese Sicht auch in den neuen Koalitionsvertrag geschafft.
Nahezu täglich werden erfolgreiche Hackerangriffe publik – auch auf staatliche Infrastrukturen die als „sicher” gelten. Dabei werden oft große Mengen an Zugangsdaten kopiert und in Umlauf gebracht oder stehen dann zum Verkauf. Oft stellt sich dabei heraus, das die Datenbanken völlig unzureichend gesichert und die eingesetzten Algorithmen überholt sind. Identitätsdiebstahl kann eine für die Betroffenen unangenehme Folge sein.
Auch individuelle Systeme werden zunehmend von Verschlüsselungstrojanern angegriffen, deren Sinnen auf die Erpressung von Lösegeld für die verschlüsselten Daten gerichtet ist – Ausgang selbst bei Zahlung ungewiss.
Die Grenzen zwischen Medien, die als Geschäftsmodell ihre Seiten mit Werbung und Trackern befüllen und dabei in Kauf nehmen Mailware in Form von Anzeigen mit Schadcode zu verteilen und Seiten, die direkt Schadcode einbetten um zum Beispiel ungefragt Cryptowährungen zu schürfen, werden immer unschärfer.
Den Schutz der eigenen Daten und der Vertraulichkeit ihre Kommunikation müssen die Bürger*Innen unter diesen Vorzeichen selbst in die Hand nehmen. Unter dem Schlagwort „Digitale Selbstverteidigung“ sind die Aktivitäten zusammengefasst, die Jede und Jeder Einzelne gegen den ungesteuerten Verlust der Kontrolle über seine Daten, und damit mindesten einen Teil seiner Autonomie und Persönlichkeit, in Anwendung bringen kann und sollte.

Mitmachen!

In praxisorientierter, anwenderfreundlicher und verständlicher Weise informieren wir über Möglichkeiten und Grenzen von Verschlüsselungs- und Anonymisierungsprogrammen und -techniken und zeigen deren Einsatz.
Am Beginn steht die Frage nach der Bedrohungslage (Threat Model): Wer will wie und wo an meine Daten? Wogegen muss ich meine Daten also schützen? Das erlaubt, zu geeigneten Sicherheitsentscheidungen zu gelangen und ein persönliches Schutzniveau zu finden. Oft wird dies auf eine Entscheidung zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit hinaus laufen.

Für den praktischen Teil bei allen Veranstaltungen ist es sinnvoll, eigene Geräte (Laptop, Computer, Smartphone etc.) mitzubringen. Vorkenntnisse sind immer hilfreich aber nicht notwendig.

Wir freuen uns auf euch!