CryptoParties 2018, 2. Halbjahr

Unsere CryptoParties 2018 im Herbst und Winter starten ab September. Wir freuen uns, dass wir dafür die naTo als Ort gewinnen konnten, Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig. Dafür schon mal herzlichen Dank.
Wir hoffen auf großes Interesse und freuen uns auf zahlreiche Teilnehmende bei den Veranstaltungen. Wie bisher ist der Eintritt kostenfrei. Über eine Spende, die dabei hilft, unsere Ausgaben für Raum und Technik zu senken oder gar zu decken und unsere Arbeit stützt, freuen wir uns.
Für Fragen zwischendurch gibt’s unser Diskussionsforum, auch Anregungen und Anmerkungen sind dort gern willkommen. Einfach registrieren und loslegen, E-Mail-Adresse genügt ;-).

Hier die aktuell geplanten Veranstaltungen in der naTo:

  • Montag, 10. September 2018 · ab 19.00 Uhr · Beobachte mich nicht Teil 1: Sicher Surfen – HTTPS, Tracking, Browser-Addons
  • Montag, 22. Oktober 2018 · ab 19.00 Uhr · Beobachte mich nicht Teil 2: Anonymisierung mit Tor und VPNs, Passwörter und Passwort Manager
  • Montag, 12. November 2018 · ab 19.00 Uhr · Das können wir selber – Alternative Soziale Netzwerke, Self Hosting (TBC)
  • Montag, 3. Dezember 2018 · ab 19.00 Uhr · Wir unterhalten uns privat – Crypto-Messenger-Apps für Mobilgeräte (TBC)
  • Montag, 7. Januar 2019 · ab 19.00 Uhr · Der elektronische Briefumschlag – E-Mail-Verschlüsselung, asynchrone Verschlüsselung (TBC)
  • Montag, 25. Februar 2019 · ab 19.00 Uhr · Clouldsysteme und Backups (TBC)

Warum eigentlich?

2017 sind fortlaufend Gesetze beschlossen worden, die die Befugnisse von staatlichen Behörden zur elektronischen Überwachung erheblich ausweiten: Von der verstärkten Videoüberwachung öffentlicher und privater Plätze und Einrichtungen über die Möglichkeiten zur automatisierten Abfrage biometrischer Gesichtfoto-Datenbanken der Einwohnermeldebehörden bereits zur Aufklärung von Ordnungswidrigkeiten bis zur Neuauflage der höchst umstritten Ermittlungsinstrumente Onlinedurchsuchung und Quellen-Telekommunikationsüberwachung. Seit 1. 7. 2017 ist darüber hinaus die nicht minder kontrovers diskutierte neue Vorratsdatenspeicherung formal in Kraft, auch wenn wenn deren Durchsetzung aktuell ausgesetzt ist und weiter kontrovers diskutiert wird.
Nach wie vor agieren große Player der Digitalwirtschaft intransparent und räumen sich umfangreiche Rechte an den bei ihnen abgelegten Nutzerdaten ein.
Die Umsetzung der europäischen Datenschutzgrundverordnung in nationales Recht hat in Deutschland unter Federführung des Innenministeriums leider zu einer Absenkung des bisher bestehender Schutzstandards geführt. Verstärkt wird in Reden von Regierungspolitikern Datenschutz als Investitions- und Innovationshemniss dargestellt, das es umzudeuten oder abzuschaffen gälte. Inzwischen hat es diese Sicht auch in den aktuellen Koalitionsvertrag geschafft.
Nahezu täglich werden erfolgreiche Hackerangriffe publik – auch auf staatliche Infrastrukturen die als „sicher” gelten. Dabei werden oft große Mengen an Zugangsdaten kopiert und in Umlauf gebracht oder stehen dann zum Verkauf. Oft stellt sich dabei heraus, das die Datenbanken völlig unzureichend gesichert und die eingesetzten Algorithmen überholt sind. Identitätsdiebstahl kann eine für die Betroffenen unangenehme Folge sein.
Auch individuelle Systeme werden zunehmend angegriffen z. B. von Verschlüsselungstrojanern, deren Sinnen auf die Erpressung von Lösegeld für die verschlüsselten Daten gerichtet ist – Ausgang selbst bei Zahlung ungewiss.
Die Grenzen zwischen Medien, die als Geschäftsmodell ihre Seiten mit Werbung und Trackern befüllen und dabei in Kauf nehmen Mailware in Form von Anzeigen mit Schadcode zu verteilen und Seiten, die direkt Schadcode einbetten um zum Beispiel ungefragt Cryptowährungen zu schürfen, werden immer unschärfer.
Den Schutz der eigenen Daten und der Vertraulichkeit ihre Kommunikation müssen die Bürger*Innen unter diesen Vorzeichen selbst in die Hand nehmen. Unter dem Schlagwort „Digitale Selbstverteidigung“ sind die Aktivitäten zusammengefasst, die Jede und Jeder Einzelne gegen den ungesteuerten Verlust der Kontrolle über seine Daten – und damit mindesten einen Teil seiner Autonomie und Persönlichkeit – in Anwendung bringen kann und sollte.

Mitmachen!

In praxisorientierter, anwenderfreundlicher und verständlicher Weise informieren wir über Möglichkeiten und Grenzen von Verschlüsselungs- und Anonymisierungsprogrammen und -techniken und zeigen deren Einsatz, versuchen drüber hinaus aber auch eine Einordung des ökonomisch-politischen Antriebs hinter der Erosion der Privatsphähre.
Am Beginn steht die Frage nach der Bedrohungslage (Threat Model): Wer will wie und wo an meine Daten? Wogegen muss ich meine Daten also schützen? Das erlaubt, zu geeigneten Sicherheitsentscheidungen zu gelangen und ein persönliches Schutzniveau zu finden. Oft wird dies auf eine Entscheidung zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit hinaus laufen.

Für den praktischen Teil bei allen Veranstaltungen ist es sinnvoll, eigene Geräte (Laptop, Computer, Smartphone etc.) mitzubringen.

Wir freuen uns auf euch!